Umschulung notwendig - Neue Ideen für die ehemalige Tourismusschule MODUL
Großes Entwerfen, 10 ECTS
Studierendenarbeiten
Sommersemester 2024
Betreuung:
Alessandro RINTALLO
Anna MÖLK
Nina ARMBERGER
Das in der Peter-Jordanstraße 78–80, unmittelbar am Türkenschanzpark in Wien-Döbling gelegene Gebäude der ehemaligen Tourismusschule MODUL wurde von 1973–75 nach Plänen des Architekten Josef Fleischers und des Statikers Robert Krapfenbauers errichtet. Es wurde seinerzeit von der Kammer der gewerblichen Wirtschaft für Wien (heute Wirtschaftskammer Wien) in Auftrag gegeben, die das Gebäude fast 50 Jahre lang als Ausbildungsstätte im Bereich der Tourismus- und Freizeitwirtschaft nutzten sollte.
Das 6-geschossige Gebäude beherbergte zur Eröffnung neben den verschiedensten Schulräumen (EG, OG 1 bis 3) zusätzlich ein Mädchen-Internat (OG 3) sowie aufgrund des praxisnahen Unterrichtsansatzes auch ein (Schul-)Hotel (OG 4 bis 5) und Restaurant (OG 2). Darüber hinaus verfügte das Gebäude im Keller über eine Turnhalle sowie Räume für Schwimmbad- und Saunabetrieb. Das Raumprogramm folgte damals einem von Fachleuten und Pädagog*innen eigens für diesen neuen Schultypus erstellten Lehrkonzept.
Den unterschiedlichen räumlichen Anforderungen begegnete Fleischer mit der Konzeption eines achteckigen Rastersystems, das sich sowohl an den modularen und variablen Grundrissen als auch an der Kubatur abzeichnet. Das zentralsymmetrisch organisierte Gebäude wurde als Skelettbau samt zeittypischer vorgehängter, eloxierter Aluminiumfassade konzipiert, das Tragwerk besteht aus Stahlbeton-Decken und achteckigen Stahlbeton-Stützen. Die resultierenden großen Spannweiten erlaubten eine freie und während der Nutzung flexible Raumaufteilung. Für diese Zwecke kamen vor allem im Bereich der Schulungsräume zahlreiche verschiebbare Wandelemente zum Einsatz.
Trotz diverser Umbauten (besonders in den 1990er und 2000er Jahren) sind bis heute innen und außen viele bauzeitliche Charakteristika erhalten. Die ehemalige Tourismusschule MODUL stellt damit ein bemerkenswertes bauliches Unikat dar, das in Österreich zu den wenigen noch erhaltenen, im Geist des Strukturalismus errichteten Gebäuden zählt.
Mit dem Auszug der Tourismusschule MODUL im September 2023 steht dem Gebäude nun eine ungewisse Zukunft bevor. Trotz der zahlreichen denkmalwürdigen Eigenschaften und der jahrzehntelangen Nutzungskontinuität galt das Gebäude als Ausbildungsstätte der Wirtschaftskammer Wien zuletzt als „nicht mehr zeitgemäß“. Zu dieser Einschätzung trägt, neben der eigenwilligen Grundrissorganisation und zeittypischen Materialwahl, besonders der hohe Technisierungsgrad bei. Zur technischen Gebäudeausstattung zählten zur Eröffnung ein Fernsehstudio, Fotolabor und grafisches Büro (alle zur Erstellung eigener Unterrichtsprogramme), eine mechanische Lüftungs- und Klimaanlage, eine vollautomatische Müllverarbeitungsanlage sowie ein Notstromaggregat und eine Wasseraufbereitungsanlage. Alles überwacht und gesteuert durch ein zentrales Gebäudeautomationssystem. Dass diese Vielzahl an Anlagen zuletzt veraltet und am Ende ihrer Lebensdauer angelangt waren, lässt sich nicht von der Hand weisen. Und auch mit Blick auf eine künftige Nachnutzung wird der Umgang mit diesen eine gewichtige Herausforderung darstellen.
Eine vollständige Entkernung oder gar der Abriss des Gebäudes ließen sich somit leicht rechtfertigen. Und auch die Wiener Bauordnung stellt sich einem möglichen Abriss des Gebäudes nicht entgegen (kein Denkmal, kein Teil einer Schutzzone und nach 1945 errichtet). Aufgrund der denkmalwürdigen Eigenschaften, aber auch aus Nachhaltigkeitsaspekten soll mit dem Entwerfen im Sommersemester 2024 jedoch eine andere Strategie verfolgt werden: Es werden Vorschläge zur Erhaltung gesucht, eine „Umschulung“ des Gebäudes wird dabei notwendig.
MODUL.
bokuxmodul
Johanna Richter
Teresa Ebner
Modul _ Aufgrund seiner Lage mitten im Campus der BOKU bietet sich eine Umnutzung als Universitätsgebäude besonders an. Das Modul entwickelt sich dadurch von einem ehemals trennenden Element zu einem campusverbindenden Baustein. Künftig soll das Gebäude Seminarräume, Labore, Werkstätten, Büros sowie Gemeinschaftsräume beherbergen. Die Neugestaltung des Außenraums, sowie die Öffnung der Erdgeschosszone stärken die Vernetzung des Moduls mit seiner Umgebung. Durch ein minimalinvasives Vorgehen bleibt der Gebäudebestand der 1970er-Jahre größtenteils erhalten. Insbesondere das 1. Obergeschoss erfährt kaum Eingriffe, da es sich noch weitgehend im Originalzustand befindet. Im gesamten Gebäude sorgen gezielte Wandöffnungen für eine verbesserte Orientierung und ermöglichen neue Blickbeziehungen. Das ehemalige, obsolete Filmstudio wird durch das Öffnen der Wände zu einem zweigeschossigen Verbindungsraum zwischen dem 1. und 2. Obergeschoss und bildet mit einer Sitzstiege einen zentralen Treffpunkt für Studierende.
MEDIOTHEK
Lara Breidbach
Luisa Decker
Die ehemalige Tourismusschule Modul im 19. Bezirk steht leer und soll einer neuen Nutzung zugeführt werden. Obwohl sie nicht denkmalgeschützt ist, wird sie in unserer Bearbeitung des Gebäudes so behandelt. Um die erhaltenswerten Schichten des Gebäudes einer neuen Nutzung zuzuführen wird das Konzept einer „mediothek“ erarbeitet. Alle bestehenden Räume, die, so wie sie jetzt sind, weiterverwendet werden können, werden erhalten. Die Nutzung ergibt sich aus den Qualitäten, die das Gebäude in seiner jetzigen Form schon bietet. Für die „mediothek“ müssen behutsame Eingriffe vorgenommen werden, bei denen abgewogen wird, welche Teile der Nutzung dienen und ästhetisch zur Erscheinung beitragen und welche Wände, Decken und Einbauten zur besseren Raumaufteilung entfallen müssen. Im Sinne der Nachhaltigkeit sollen diese Eingriffe so gering wie möglich sein. Des weiteren sind bauzeitliche Einbauten den nachträglichen Umbauten vorzuziehen. Die Kubatur, sowie die Fassade werden erhalten.



















