Studierendenarbeiten_Entwerfen für St. Stephan

ENTwerfen für st. stephan

Großes Entwerfen, 10 ECTS
Studierendenarbeiten
Wintersemester 2025/26

Betreuung:
Heike OEVERMANN
Bernd EULER-ROLLE
Anna MÖLK
Lasse SIEMEN

Die besten Studierendenarbeiten werden in der Publikation zusammengefasst und gezeigt:

Entwerfen für St. Stephan. Die Dombauhütte

herausgegeben von Heike Oevermann,
Bernd Euler-Rolle und Anna Mölk

SIMB Verlag Kufstein, 2026.

70 Seiten

ISBN: 978-3-903513-18-1

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St. Stephan in Wien ist ein Meisterwerk gotischer Architektur und ein jahrhundertealter Geschichtsort, erscheint auskristallisiert und dennoch hat er aktuelle Bedarfe.

Der Ausgangspunkt für die Aufgabe war denkbar herausfordernd. Immerhin ist dieser Archi­tektur die europäische, habsburgische und österreichische Geschichte eingeschrieben genauso wie die Vormachtstellung der katholischen Kirche in Österreich in den vergangenen Jahrhunderten. Die enorme Leistung der Wiedererrichtung des mächtigen Dachwerks in Stahlbauweise in den Jahren nach 1945 erneuerte die symbolische Bedeutung für Österreich. St Stephan ist heute nach wie vor Ort der religiösen Praxis ebenso wie touristischer Magnet für 7 Millionen Besucher:innen im Jahr. Der Dom ist Anlauf- und Orientierungspunkt in der Stadt und ihrer Silhouette.

Die Verantwortung für die Erhaltung liegt in der Hand der Dombauhütte, deren Werkstätten sich an der Nordseite des Domes anschmiegen. Die Dombauhütte in ihrer heutigen Form wurde 1959/60 nach den Zerstörungen des Jahres 1945 neu errichtet. Der Bau ist in mehrfacher Hinsicht von erheblicher Denkmalbedeutung. Zum einen steht er für die nationale Anstrengung beim Wiederaufbau des Stephansdomes in der österreichischen Nachkriegszeit und zum anderen fügt er sich in seiner Architektur und Materialität gleichwohl kontextuell wie selbstbewusst in den Kranz der Nebenbauten des Domes, die dort seit der Barockzeit errichtet wurden. Dazu kommt, dass die Bauhüttentätigkeit als immaterielles Kulturerbe einen besonderen Stellenwert hat, der fest in der historischen Tradition verankert ist. Die Reparatur-, Instandsetzungs- und Restaurierungspraktiken der Dombauhütte sind auch für die Denkmalpflege von enormer Bedeutung; dennoch gibt es derzeit keinen Raum für Vermittlung. Die Nordseite des Domes erscheint derzeit als eine stadträumliche Rückseite, die dem Dom nicht angemessen ist, ebenso wie auch das eindrucksvolle gotische Bischofstor durch Bauhof und Domshop verbaut wurde.

Die Lehrveranstaltung „Entwerfen für St. Stephan“ hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Werkstätten der traditionsreichen Bauhütte sowie den heute mehr als unzulänglich untergebrachten Domshop für aktuelle Bedürfnisse neu zu denken, zu konzipieren, zu adaptieren und architektonisch zu detaillieren. Dabei sollten erstmals auch öffentliche Räume für Informations-, Bildungs- und Ausstellungsformate generiert werden. Um die Bauhütte einerseits für Vermittlungsarbeit zu öffnen und andererseits eine konzentrierte Werkstatttätigkeit zu ermöglichen, waren auch die Reorganisation der Besucher:innenströme und deren Bedarfe architektonisch im Dom mitzudenken.

Der besondere Ertrag der Lehrveranstaltung ist darin gelegen, dass die Studierendenprojekte einen großen Reichtum an Varianten erbrachten, wie man mit der Aufgabe umgehen könnte. Dies war das Ergebnis einer differenzierten denkmalpflegerischen Auseinandersetzung mit den Denkmalqualitäten von Dom und Dombauhütte, die je nach Ergebnis durch den Entwurf unterschiedlich genutzt, geordnet und an entscheidenden Stellen gestärkt wurden.