251.859 8,0 h (10,0 ECTS)

HAUS PROST

Großes Entwerfen Denkmalpflege und Entwurf: Strategien der Erhaltung

Nott CAVIEZEL, Dimitri EGOROV, Albert KIRCHENGAST, Johann GALLIS

Einführung
Dienstag 9. März. 2021, 9:00 Uhr
Der Ort wird noch bekanntgegeben.

Termine
wöchentlich Dienstag, 9:00 – 13:00 Uhr, SR 257 (Stiege 3, 2. Stock) oder online.

Anmeldung
über den TISS Bewerbungspool + Motivationsschreiben (ca. halbe DIN A4 Seite) als Teil des Portfolios oder per Email an dimitri.egorov@tuwien.ac.at

Lehre unter Covid-19
Die BetreuerInnen der Lehrveranstaltung werden die Teilnehmenden rechtzeitig über Termine und einen allenfalls geänderten Ablauf der LVA ins Bild setzen.

Lernergebnisse
Nach positiver Absolvierung der Lehrveranstaltung sind Studierende in der Lage, sich entwerferisch mit historischen Bauten auseinanderzusetzen, denn jede Entwurfsarbeit am denkmalgeschützten Objekt beansprucht spezifische Kenntnisse und erfordert dem Bestand angemessene Strategien. Die Übung bietet den Studierenden die Gelegenheit, sich mit den vielfältigen Erfordernissen zu befassen, denen man beim Erhalten, Restaurieren, Sanieren und Verwalten eines Denkmals oder bei Eingriffen in ein denkmalgeschütztes Ensemble gerecht werden muss.

Inhalt der Lehrveranstaltung
Walbersdorf ist ein Ortsteil der Stadt Mattersburg in Nordburgenland. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erlebte dieses kleine Dorf, das erst 1971 in die Bezikshauptstadt Mattersburg eingemeindet wurde, eine wirtschaftliche Neuorientierung. Die Reblauskrise löste in dieser damals stark vom Weinbau abhängigen Gemeinde eine wirtschaftliche Krise aus. Den Ausweg aus der schwierigen Situation suchte man im Ausweichen auf Ersatzkulturen sowie im Forcieren nicht landwirtschaftlicher Arbeiten. So entstanden in den 1870er-Jahren in Walbersdorf zwei Ziegeleien, die vor allem ab dem 20. Jahrhundert die Beschäftigungslage dieser Ortschaft stark prägten.

Im Jahr 1876 wurde das erste Ziegelwerk, die Ziegelei Johann Prost eröffnet. Am Anfang des 20. Jahrhunderts erlebte das ursprünglich als Kleingewerbebetrieb mit lediglich 6 Hilfskräften geführte Werk einen ständigen Aufschwung und beschäftigte in den 1920er-Jahren bereits 100 Personen. 1984 erwarb die Wienerberger Baustoffindustrie AG die Ziegelfabrik und unternahm eine Modernisierung des Betriebs, die eine Reihe von Abbrüchen der historischen Bausubstanz auslöste. So blieb das Wohn- bzw. Geschäftshaus der Ziegelei Johann Prost der letzte bauliche Zeuge eines Ziegelwerks, das sowohl die Wirtschaft der Region als auch das Ortsbild von Walbersdorf ein Jahrhundert lang stark prägte.

Dieser eingeschossige, langgestreckte Bau an der Berggasse 2 wurde um 1900 erbaut. Er liegt abseits des Ortskerns und unterscheidet sich mit seiner verzierten späthistoristischen Fassade von der restlichen, überwiegend durch Streck- und Hackenhöfe dominierten Verbauung des Dorfes. Momentan befindet sich das Gebäude in einem sanierungsbedürftigen Zustand und wird nicht genutzt. Sein gegenwärtiger Besitzer, das Betonwerk Koch GmbH, sucht daher nach neuen Funktionen, damit dieses Bauwerk weiterhin als Zeuge der industriellen Geschichte der Ortschaft erhalten bleibt.Dies ist die zentrale Aufgabe, der wir uns mit dem Großen Entwerfen stellen. Eine denkmalpflegerisch verträgliche Umnutzung des Bestands, kluge bauliche Ergänzungen sowie eine adäquate Umgestaltung der Gartenanlage sollen dies ermöglichen.

Exkursion
Zwei eintägige Reisen nach Walbersdorf zwischen 12. und 16. April werden uns das Arbeiten direkt am Objekt ermöglichen. Zusätzliche Exkursionen und Besichtigungen in der Region sind ebenfalls vorgesehen.

Präsentationsvideo hier