251.857 8,0 h (10,0 ECTS)

SCHÜTTKASTEN ERNSTBRUNN –
DER GETREIDEPALAST

Großes Entwerfen Denkmalpflege und Entwurf: Strategien der Erhaltung

Nott CAVIEZEL, Oliver SCHREIBER, Dimitri EGOROV, Vanya KOLESHEVA

Einführung

Dienstag 6. Oktober 2020, 9:00 Uhr, im Konferenzraum der Fakultät A+R (Stiege 6, 4. Stock)

Termine

wöchentlich Dienstag, 9:00 – 13:00 Uhr, SR 257 (Stiege 3, 2. Stock)

Anmeldung

Über TISS  + Motivationsschreiben (ca. halbe DIN A4 Seite) als Teil des Portfolios oder per Email an
dimitri.egorov@tuwien.ac.at

Lernergebnisse

Nach positiver Absolvierung der Lehrveranstaltung sind Studierende in der Lage, sich entwerferisch mit historischen Bauten auseinanderzusetzen, denn jede Entwurfsarbeit am denkmalgeschützten Objekt beansprucht spezifische Kenntnisse und erfordert dem Bestand angemessene Strategien. Die Übung bietet den Studierenden die Gelegenheit, sich mit den vielfältigen Erfordernissen zu befassen, denen man beim Erhalten, Restaurieren, Sanieren und Verwalten eines Denkmals oder bei Eingriffen in ein denkmalgeschütztes Ensemble gerecht werden muss.

Inhalt der Lehrveranstaltung

Die Marktgemeinde Ernstbrunn liegt 50 Kilometer nördlich von Wien und besitzt eines der spannendsten Schlossensembles Niederösterreichs – das Schloss Ernstbrunn. Die Geschichte dieser Anlage hat ihre Ursprünge im 11. Jahrhundert und zeigt sich in ihrer vielschichtigen Architektur, die jedoch vom Empirestil aus der letzten intensiven Umbauperiode unter dem Fürst Prosper von Sinzendorf um den Wechsel vom 18. zum 19. Jahrhundert dominiert wird.

Dieser Prachtbau befindet sich nordwestlich des Zentrums von Ernstbrunn, dem namensgebenden Ort der Weinvierter Gemeinde. Er wird von einem englischen Garten umgeben und ist für zufällig Vorbeireisende kaum sichtbar. Der einzige Hinweis auf die Anlage ist ein imposanter barocker Getreidespeicher – der Schüttkasten des Schlosses Ernstbrunn. Viele derartige Bauwerke entstanden in der zweiten Hälfte des 17. und am Anfang des 18. Jahrhunderts und prägen seitdem die niederösterreichische Agrarlandschaft nördlich der Donau. Seit der Änderung der Getreide-Speichertechnologie in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurden sie allerdings zunehmend von Silos abgelöst und werden in ungünstigen Fällen funktionslos dem Verfall überlassen. Die für diesen Bautyp typischen kleinen Fenster und bemerkenswerten Raumgrößen erschweren oft die Suche nach einer neuen Nutzung.

Der Schüttkasten des Schlosses Ernstbrunn hat ein ähnliches Schicksal. Momentan befindet sich das Gebäude in einem sanierungsbedürftigen Zustand und wird kaum genutzt. Der heutige Schlossherr Fürst Heinrich XIV. Reuss sucht daher nach neuen Funktionen, damit dieses Bauwerk weiterhin als Zeugnis der landwirtschaftlichen und kulturellen Geschichte der Gemeinde erhalten bleibt. Dies ist die zentrale Aufgabe, der wir uns mit dem Großen Entwerfen stellen. Architektonische Überlegungen, die Erhaltung des Bestands und kluge bauliche Eingriffe sollen dies ermöglichen.

Exkursion

Die Lehrveranstaltung erfolgt gekoppelt mit der LVA 251.687 „Exkursion Denkmalpflege“.

Zwei eintägige Reisen nach Ernstbrunn werden uns das Arbeiten direkt am Objekt ermöglichen. Zusätzliche Exkursionen und Besichtigungen sind ebenfalls vorgesehen. 

Die Lehrveranstaltung findet unter Mitwirkung von Dipl. Ing. Oliver Schreiber (BDA) statt.