251.883 3,5 h (5,0 ECTS)
Das architektonische erbe des sozialismus
zwischen aneignung, erinnerung und ablehnung im europa nach 1990
Wahlseminar – Bachelor
Sophie STACKMANN
Einführung
Donnerstag, 08.10.2026, 09:009 Uhr
Seminarraum AE U1-2
Termine
geblockt an folgenden Tagen, 09:00 – 15:00 Uhr
Donnerstag, 08.10.2026
Freitag, 09.10.2026
Samstag, 10.10.2026
Freitag, 16.10.2026
Donnerstag, 30.10.2026
Anmeldung
Bewerbung via TISS
Der Beginn des Postsozialismus
1989 kam es in mehreren Staaten des Warschauer Pakts – darunter Polen, die DDR und Ungarn – zu politischen Umbrüchen, die den Zerfall des Ostblocks und schließlich auch den Zusammenbruch der Sowjetunion einleiteten. Ereignisse wie die Grenzöffnung Ungarns oder die Samtene Revolution in der Tschechoslowakei waren das Ergebnis langjähriger gesellschaftlicher Protestbewegungen sowie der tiefen Krise des Staatssozialismus. Obwohl sich diese Entwicklungen in vielen Ländern parallel vollzogen, verliefen sie in den einzelnen Staaten des Warschauer Pakts sowie im blockfreien Jugoslawien jeweils unterschiedlich. In Jugoslawien führte der Zerfall des Staates ab 1991 zu den postjugoslawischen Kriegen, die rund ein Jahrzehnt andauerten. Der Beginn des Postsozialismus manifestierte sich somit nicht in einem einzelnen Ereignis – wie es die symbolische Bedeutung des Mauerfalls mitunter nahelegt –, sondern in einem komplexen politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Transformationsprozess. Für viele Menschen in Ost- und Südosteuropa war dieser Prozess gleichbedeutend mit einer traumatischen Desintegrationserfahrung.
Bedeutungswandel des architektonischen Erbes
Gleichzeitig wurde das ehemals staatliche Eigentum der untergegangenen sozialistischen Staaten zügig privatisiert, während die sozialistischen Wirtschafts- und Gesellschaftsstrukturen in marktwirtschaftliche Systeme überführt wurden. Damit ging auch ein grundlegender Bedeutungswandel der sozialistischen Architektur einher. Im Zuge dieser Transformation wurde sie zu einem Relikt der Vergangenheit und zu einem umstrittenen kulturellen Erbe. Einerseits konnte sie als Ausdruck einer nostalgisch ersehnten Vergangenheit wahrgenommen werden, andererseits konnte sie als bauliches Vermächtnis autoritärer sozialistischer Regime gelten. Diese Ambivalenz äußerte sich in einer vielschichtigen Aneignung und Ablehnung sozialistischer Architektur, die von Sanierung, Restaurierung bis zum Abriss reichen konnte.
Was wird im Seminar erarbeitet?
Das Wahlseminar im Wintersemester 2026/27 widmet sich diesem Spannungsfeld und untersucht den Bedeutungswandel des architektonischen Erbes des Sozialismus in Europa nach 1990. Zu Beginn des Seminars setzen wir uns mit dem aktuellen Forschungsstand zur Aneignung, Umnutzung und zum Erhalt sozialistischer Architektur nach 1990 auseinander. Ergänzend vermitteln einführende Sitzungen Grundlagen zum Bauwesen und zur Architekturgeschichte ausgewählter sozialistischer Staaten, darunter Polen, Jugoslawien und die DDR. Darauf aufbauend entwickeln die Teilnehmenden eigene Fragestellungen, etwa zur Symbolik des Plattenbaus nach 1990 oder zum Umgang mit der sozialistischen Postmoderne. Zur Unterstützung bei der Erstellung der Seminararbeit werden Themenvorschläge sowie grundlegende Forschungsliteratur bereitgestellt. Voraussetzung für die Teilnahme ist die Bereitschaft, sich in die Geschichte des Sozialismus sowie die Transformationsprozesse nach 1989/90 einzuarbeiten.
Sprache
Deutsch
TISS