Großes Entwerfen – Schloss Drosendorf Reloaded – WiSe 2026/27

251.268 8,0 h (10,0 ECTS)

Schloss Drosendorf reloaded

Denkmalpflegerisches entwerfen an der land-uni

Großes Entwerfen – Master

Heike OEVERMANN
Bernd EULER-ROLLE
Anna MÖLK
Jakob LEGENSTEIN

Einführung
Dienstag, 06. Oktober 2026, 09:00 Uhr, SR 257

Projekt- und Korrekturtermine
wöchentlich dienstags, 09:00–14:00 Uhr,
SR 257 (Stiege 3, 2. Stock)

Montags um 5
verpflichtende Vortagsreihe

Exkursion
27.10.–28.10.2026 (verpflichtend)
Drosendorf, Niederösterreich

30.10.2026 (freiwillig)
Horn, Niederösterreich

Anmeldung
Bewerbung via TISS

Neuerfindungen eines Schlosses, Drosendorf
Hoch über der Thaya aufragend und an einer markanten Ecke der Stadtbefestigung von Drosendorf im niederösterreichischen Waldviertel gelegen, ist das Schloss Drosendorf über Jahrhunderte auf uns gekommen. Heute ist das Schloss auch Sitz der Land-Uni der TU Wien, die sich den Entwicklungsfragen im ländlichen Raum widmet. Verwunschen und etwas abgelegen, mit beeindruckenden Blicken in die umgebende Kulturlandschaft, kann es kaum einen besseren Ort geben, um die Fragen der Zukunftsmodelle und Planungen für die Bewahrung, Erschließung und Verlebendigung des weiten Landes zu diskutieren. Die direkte Anbindung des Schlosses an das kleine Städtchen mit seiner geschlossenen historischen Bebauung mit ehemaligen Ackerbürgerhäusern, die sich an dem langgezogenen Stadtplatz aneinanderreihen, bringt die Nutzungsfragen des Schlosses in einen direkten Zusammenhang mit dem Stadtleben.

Das denkmalpflegerische Entwerfen in Drosendorf beschäftigt sich mit dem zwei- bis dreigeschossigen Schlossbau, der aus einer mittelalterlichen Burg hervorgegangen ist und überwiegend in der Barockzeit prächtig umgestaltet wurde. Zahlreiche Elemente der historischen Bauausstattung aus dem 18. und 19. Jahrhundert geben dem historischen Schlossbau eine besondere Authentizität, die durch eine Zeitschicht aus der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts an manchen Stellen zwar überlagert, aber nie ausgelöscht wurde.

Inhalt der Lehrveranstaltung
Es werden nun Visionen und denkmalpflegerische Entwürfe gesucht, die sowohl die Denkmalbedeutungen und städtebaulich-architektonischen Qualitäten in Szene setzen, wie auch Instandsetzungsbedarf, neue Nutzungsideen, Rückbauoptionen und kluge entwerferische Interventionen prüfen und einbeziehen. Die bisherige Hotelnutzung wollen wir nur als eine von zahlreichen Nutzungsmöglichkeiten verstehen. Aus Sicht der Eigentümerfamilie bekommen wir eine große Gedankenfreiheit, welche Nutzungen zu einer Lösung führen könnten, die gleichwohl denkmalgerecht wie architektonisch überzeugend sowie gebrauchstauglich und wirtschaftlich darstellbar ausfällt. Im besten Fall wird es uns gelingen, Nutzungsideen von den historischen Bau- und Raumstrukturen abzuleiten und für Kompatibilität zu sorgen. Ein interessanter Aspekt wird es auch sein, ob und wie unsere Projekte, die ja an der Land-Uni entstehen, einen soziokulturellen Mehrwert für die Stadtgesellschaft und den ländlichen Raum generieren können. In diesem Sinne werden wir auch das Verhältnis des Schlossbautypus zu seiner umgebenden Stadt- und Kulturlandschaft intensiv in den Blick nehmen und hierfür mögliche Stärkungen und weitere Bezüge überlegen. Im Zuge der Entwurfsarbeit werden wir wichtige denkmalpflegerische Themen bearbeiten, wie etwa das Erfassen und Bewerten unterschiedlicher Zeitschichten sowie der Umgang mit Raumfolgen, Raumhüllen und Bauausstattung, zu der beispielsweise eine große Zahl von historischen Fensterkonstruktionen, Holzböden und Türen gehören. Für die denkmalpflegerische Entwurfsarbeit stellt sich eine Reihe von Fragen: Was bedeutet es heute, ein Gebäude über eine Schlosstoranlage zu betreten? Welche Potenziale hat der leicht abfallende und mit einem Brunnen romantisch geprägte Innenhof? Wie können ehemals großzügige Festsäle, die seit rund 100 Jahren in kleinere Räume geteilt sind, wieder erlebbar werden und doch auch wirtschaftlich nutzbar sein? Geprüft werden die Elemente der derzeitigen, zum Teil etwas improvisierten Nutzung als Hotel, ferner die Veränderungen und Einbauten der Zeitschicht der 1970er Jahre aus der Zeit der Nutzung durch die Landarbeiterkammer und weiters auch die älteren Zeitschichten, die nicht zuletzt funktionale Schwierigkeiten aufweisen im Hinblick auf Barrierefreiheit, verwachsene Raumfolgen und Erschließungen, sowie auch die Verbindung zum Schlossgarten. Das historische Postgebäude am Schloss wie der große Herrengarten, der einige Schritte entfernt liegt, sind mögliche erweiternde Raumangebote für erweiterte Nutzungsvisionen.

Erfassen – Bewerten – Erhalten/Entwerfen

Leistungsnachweise
Gruppenarbeit je 2 Studierende, bei der neben der Analyse und dem Entwurf, unterschiedliche Erhaltungs- und Gestaltungsvarianten im Sinne des Abwägungsprozesses (Management of Change) geprüft werden müssen.

• Zwei Zwischenpräsentationen: Plakate (print) und Arbeitsmodell
• Für die Endpräsentation sind gedruckte Pläne im Abgabeformat zu präsentieren -> 4 Plakate (print) DIN A1 (nach Layoutvorgabe) UND Abgabe Modell
• Die Abgabe erfolgt digital mit Korrekturen und angepassten Darstellungen UND Abholung der Modelle

Zentrale Aspekte der Bearbeitung sind:
Bestandsanalyse und Nutzungskonzept: Textliche und graphische Aussagen zu: Bau- und Nutzungsgeschichte, städtebaulicher Kontext und Konzept (1:500)
Zu erstellen sind ein Statement of Conservation and Design sowie ein denkmalpflegerisches Entwurfskonzept (siehe Literaturliste, Weblinks: „Hinweise zu wissenschaftlichem Arbeiten“) mit textlichen und graphischen Aussagen zu: Bestands- und Denkmalwerten (Potenziale, Mängel), Transformation und Zugänglichkeit
Aussagen zum Management of Change: Differenzierung der Erhaltungs- und Veränderungseingriffe
Architektonische Interventionen: Grundriss, Schnitt, Ansicht 1:500 / 1:200, Modell oder Teilmodell; Detail nach Konzept in 1:50 bis 1:10

Sprache
Deutsch

TISS