Forza Fortezza! Die Festung der Medici in Siena
Großes Entwerfen, 10 ECTS
Studierendenarbeiten
Wintersemester 2024/25
Betreuung:
Birgit KNAUER
Rita MULLEN
Nina ARMBERGER
Im Jahr 1561 beauftragte Cosimo I. de’Medici, aus der einflussreichen florentinischen Adelsfamilie, Baldassarre Lanci mit dem Bau einer neuen Festung am Stadtrand von Siena. Die bereits 1563 fertiggestellte Anlage sollte allerdings weniger dem Schutz und der Verteidigung der Stadt dienen, als vielmehr der Kontrolle der lokalen Bevölkerung. Die aus Ziegeln gebaute Festung mit ihrer regelmäßigen, rechteckigen Grundform ruht auf einem steilen Sockel mit keilförmig auskragenden Bastionen an ihren vier Eckpunkten. An den Flanken der Festung bilden sich Plattformen aus, von denen aus die Artilleriegeschütze in geschützte Verdecke befördert werden konnten. Im Inneren der Festungsanlage befinden sich Lagerräume und ein weitverzweigtes System an Verbindungsgängen. Erst Ende des 18. Jahrhunderts wurde die Festung entmilitarisiert. Anders als andere Festungsanlagen der Region, wie jene in Florenz oder Arezzo, wird die Fortezza Medicea di Siena wenig touristisch genutzt. Besucher besichtigen die Festung nur selten. Die große Fläche im Inneren der Festung wird in erster Linie von der Bevölkerung als öffentlicher Garten und Veranstaltungsort genutzt. In den Bastionen wurden vereinzelt Eingriffe getätigt, im Inneren der Festungsanlage werden nur einige wenige Räume bespielt. Die zentrale Aufgabe unserer Entwurfsübung im Wintersemester 2024/25 war es, nach einer umfassenden Analyse und Bewertung des Bestands, eine verträgliche und nachhaltige Erschließung der Festungsanlage und Einbindung in die Umgebung zu konzipieren und planerisch umzusetzen (2er-Teams), begleitet mit passenden Nebennutzungen, die im Inneren der Struktur oder auch oberirdisch vorgesehen werden konnten. Die Entwurfsaufgabe umfasste somit nicht nur bauliche Maßnahmen innerhalb der Bestandsstruktur, sondern auch mögliche Aufbauten und Erschließungselemente sowie Ideen für die Gestaltung der weitläufigen Außenanlage.
FORTEZZA VIVA.
THE VIVID FORTRESS
Laura Stammen
Lena Werle
Fortezza Viva – die lebendige Festung transformiert die Fortezza Medicea in Siena von einer geschlossenen Militärstruktur zu einem offenen, kulturellen und sozialen Zentrum. Ziel ist es, die Sichtbarkeit, Zugänglichkeit und Nutzung nachhaltig zu stärken. Ein neuer freistehender Erschließungsturm an der Bastion della Madonna verbindet die Festung barrierefrei mit der Stadt und wird durch ein Lichtkonzept ergänzt, das die Anlage subtil ins Stadtbild einbindet. Im Inneren entsteht auf der Bastion della Madonna die Sala della Madonna, ein teils unterirdischer Kulturraum, der die historische Substanz mit neuer Architektur verknüpft. Er bietet flexible Räume für Veranstaltungen und Gastronomie, die die Kasematten räumlich und funktional einbeziehen. Ergänzende Maßnahmen, wie ein neu gestalteter Mobility Point, grüne Freiflächen und eine Erweiterung des Amphitheaters schaffen Aufenthaltsqualität und ermöglichen eine ganzjährige, lebendige Nutzung im Dialog zwischen Geschichte und Gegenwart.
CONTEZZA – FORTEZZA DEI CONTRASTI
Johanna Richter
Karolin Hofbauer
Die Eingriffe an der Festung bewahren ihren historischen Charakter und stärken die räumlichen Kontraste, die sie prägen. Der Übergang vom dynamischen Stadtraum zur ruhigen Festungsfläche wird mit neuen Zugängen und Wegen durch das Mauerwerk inszeniert. Das Spiel von Enge und Breite entfaltet sich in trichterförmigen Raumelementen, während Barriere und Weite durch das Erfahrbarmachen der Festungsmauer im Inneren und gezielte Öffnungen erfahrbar werden. Licht und Dunkelheit strukturieren die Räume über feine Installationen, die den Wechsel zwischen dunklen Gängen und hellen Höfen betonen. Das neue Museum in den Bastionen San Domenico und della Madonna lässt die Geschichte der Festung lebendig werden und verknüpft historische Substanz mit kultureller Gegenwart. Ergänzungen aus Cortenstahl und rot pigmentiertem Sichtbeton greifen die Sprache des Ziegels auf und verschmelzen Kleinteiligkeit und Monolith. Ein zeitgenössischer Umgang der den Bestand respektvoll zum Leben erweckt.
VIVA LA FORTEZZA
Gina Maria Ersfeld
Paula Ewald
Das Konzept verfolgt eine behutsame Weiterentwicklung der Fortezza Medicea di Siena bei klarer Wahrung ihrer historischen Substanz. Die Parkplatzflächen werden verlagert, wodurch entlang der Längsseiten neue Grün- und Sportzonen entstehen, die die Festung stärker mit dem städtischen Gefüge verbinden.
Architektonisch ergänzen klar ablesbare Eingriffe die bestehenden Strukturen. Die Kasematten der Bastionen „San Domenico“ und „Della Madonna“ werden instandgesetzt und kulturell neu genutzt: San Domenico als Ausstellungsraum, Della Madonna als Keramikstudio. Das Amphitheater wird technisch und räumlich erweitert, unter anderem durch eine Bühne, Überdachung und einen Indoor-Saal.
Die Freiflächen werden für Kultur-, Freizeit- und Sportangebote aktiviert und durch einen neuen Zugang barrierefrei erschlossen. So entsteht ein lebendiger, integrativer Ort, der die Festung nachhaltig in das städtische Leben einbindet, ohne ihren historischen Charakter zu verfälschen.






























