Studierendenarbeiten_Sondermodul

Materialität und Konstruktion in der Baudenkmalpflege

Sondermodul, 10 ECTS
Studierendenarbeiten
Wintersemester 2025/26

Betreuung:
Hanne RUNG
Peter BAUER 
Astrid HUBER-REICHL
Robert LINKE

Das Modul fokussiert die Erfassung, Erhaltung und Adaptierung von Materialität und Konstruktion von Denkmälern und Bestandsbauten. Im Zuge der Klimadebatten erlangt der Umbau des Bestandes zunehmend Relevanz und damit die spezifische Befassung mit der vorgefundenen Bausubstanz und die Kenntnisse, wie erhaltend mit Materialität und Konstruktion umgegangen werden kann.
Das Themenspektrum reicht bis zu sehr aktuellen Themen der Baubranche, wie etwa die Bauteilwiederverwendung, die einen möglichen Umgang mit dem Bestand und als Erhaltungsstrategie somit auch die Praxis der Denkmalpflege berührt.

Das Modul besteht aus vier Fächern mit insgesamt 8 SWS und 10 ECTS.

Befundung, Zustandserfassung, Schadensanalyse, Definition von Restaurierzielen, Erstellen von Maßnahmenkonzepten, Musterarbeiten, restauratorische Betreuung, Pflege- und Wartungskonzepte.
Es werden eingeübt die Standards der Baudenkmalpflege und eingeführt in die Konservierung und Restaurierung von Fassaden, Stuck- und Wandmalerei, Instandsetzung historischer Fenster, Ölanstrich auf Holz und Eisen. Weiterhin sind die traditionellen Baumaterialien und Handwerkstechniken in der Baudenkmalpflege ein Thema: Kalktechnologie, Steinmetzarbeiten, Lehmbau, Putz- und Anstrichsysteme, Kalklöschen, Herstellung und Verarbeitung von Kalkmörtel.

Statik historischer Baukonstruktionen & Baukonstruktive Analysen: Bestandserhebung und -analyse, Sanierungsmöglichkeiten, Aussteifung, Tragsysteme, Materialeigenschaften, Mauerwerksgutachten, Wanddurchbrüche und -auswechselung, Nadelung, Wandöffnung. Es wird zudem eingeführt in Bestandserhebung und -analyse von Deckensystemen, Untersuchungen von Holzdecken / Schadensbilder & Sanierung, konstruktive Grenzen. Die Übungen erfolgen maßgeblich über Projektbeispiele mit Baustellenbesuchen.

Untersuchungsmethoden historischer und moderner Baustoffe in der Denkmalpflege: Gesteine und Putze , Salze und Feuchtigkeit in Stein und Mauerwerk, sowie historische und moderne Anstrichsysteme in der Denkmalpflege. Es werden zudem Befundungsmethoden/ Analysemethoden der Denkmalforschung eingeübt und reflektiert und Raumklimamessung und -monitoring, Holzschutz in der Denkmalpflege/ Denkmalgerechte Schädlingsbekämpfung und Gefahrstoffe in der Denkmalpflege thematisiert. Der Baustein findet in den Laboren/ Werkstätten des Bundesdenkmalamtes statt.

Im Fokus stehen die Prämissen des Erhaltens sowie die Grundlagen des zirkulären Planens und Bauens im und mit dem Gebäudebestand. Behandelt werden der Übergang von linearen zu zirkulären Planungsprozessen, die Grundprinzipien kreislauffähigen Bauens, Materialauswahl und Entwerfen, digitale und zirkuläre Entwurfsprozesse, Materialkreisläufe sowie Gebäude- und Materialpässe. Vor dem Hintergrund der Klimakrise wird untersucht, wie bewährte Ansätze der Denkmalpflege auf die Transformation des Gebäudebestands übertragen werden können und umgekehrt, wie die Prinzipien der Bauwende neue Perspektiven für die Erhaltung und Weiterentwicklung des kulturellen Erbes eröffnen.

Studierendenarbeiten – Auswahl
Modulfach IV
(Wieder-) Verwendung von Material, Baustoffen und Bauteilrecycling
 

Das Modulfach IV  fasst insgesamt  drei Aufgabenschritte zusammen. 

Gruppenarbeit:
Aufgabe I:
Zustandsanalyse / Erfassung und Katalogisierung (Bauteilkatalog)
Aufgabe II: technische Abklärung, Auswertung mit Bilanzierungssoftware 
Einzelarbeit (Essay):
Aufgabe III:
Zusammenfassung der Analyse und Erkenntnisse, Kontextualisierung zum Denkmalwertediskurs

Essays der Studierenden – Auswahl
Modulfach IV
(Wieder-) Verwendung von Material, Baustoffen und Bauteilrecycling
 

Braucht man eine neue Charta von Venedig? – Zur Neupositionierung der Denkmalpflege angesichts der Klimakrise (Petru Catuna-Boca)

Bauteile Wiederverwenden – Auswirkungen auf den Planungsprozess (Martha Henkel)

Zwischen Bauteil und Bedeutung: Ist ein Denkmal die Summe seiner Bauteile – oder das Ergebnis seines kontinuierlichen Weiterbauens? (Lena Kirzner)

Wie wirkt sich Reuse auf den Entwurfs- und Planungprozess im Bauwesen aus? Und was sind die Vor- und Nachteile von Reuse gegenüber Recycling am Beispiel von Stahl? (Catalina Nakphanich)

Verborgene Potenziale: Bauteilanalyse, Ökobilanz und Raumrecycling – Eine Auseinandersetzung mit untergenutzten Untergeschoßen des Bestandes (Florian  Peters)

Materialität, Bauphasen und Wiederverwendungspotenziale am Campus Väre in Dornbirn (Angelina Saibel)

Vom Alterswert zum Ressourcenwert: Die Scheddachhalle der CampusVäre als ökologischer Kapitalspeicher im Anthropozän (Bogdana Uletilovic)