Adaptive Reuse im Sakralbau? – Studierendenarbeiten

Adaptive reuse im sakralbau?

Großes Entwerfen, 10 ECTS
Studierendenarbeiten
Sommersemester 2026

Betreuung:
Heike OEVERMANN
Bernd EULER-ROLLE
Anna MÖLK
Jakob LEGENSTEIN

Die Gesellschaft wandelt sich und fest Geglaubtes hat an Sicherheit verloren. Damit fallen mehr und mehr die Bauwerke des Sakralen brach, in denen sich die christliche Weltdeutung baukünstlerisch Ausdruck verschafft hatte. Was aber bleibt, sind reiche architektonische Potenziale sowie sozial aufgeladene historische Orientierungspunkte im Ortsbild, im Stadtbild und in der Kulturlandschaft. Die Frage eines neuen Umgangs mit diesen Baudenkmalen verlangt eine entwerferische Antwort.

Kirchen, Klöster und Pfarrhöfe werden zunehmend Gegenstand von Veränderungs-, Umnutzungs- und sogar Abrissanliegen. Ein Beispiel hierfür ist das Kloster und die Kirche der Heimsuchung auf dem Thurnfeld in Hall in Tirol. Inmitten einer reizvollen topographischen Situation im Inntal und mit einem spektakulären Blick aus dem Kloster auf die Berge der Innsbrucker Nordkette ist das Kloster ein prägendes Element der Kulturlandschaft. Die Rahmenbedingungen sind nicht schlecht, denn die Diözese Innsbruck, Eigentümerin des Klosters seit einigen Jahren, leistet Pionierarbeit in Österreich bei Kirchenumnutzungen und in Fragen von Kunst am Bau und in den Kirchenausstattungen.

Das Salesianerinnenkloster der Heimsuchung wurde als Sommersitz des Augustiner-Chorfrauenordens in der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts erbaut. Eine beeindruckende Kapelle samt Ausstattung ebenso wie Ecktürme und Umfassungsmauer sind aus dieser Erbauungszeit überliefert. 1782 wurde es unter Joseph II, wie so viele Klöster im Habsburgerreich aufgelöst und erlebte vielfache Eigentümerwechsel. 1861 erfolgte ein weitgehender Neubau als Kloster der Salesianerinnen mit Erziehungs-/ Bildungseinrichtung und Höherer Tochter Schule.

Die Architektur von Kirche und Kloster besteht heute überwiegend aus der historistischen Bausubstanz von 1861, einschließlich überlieferter Zeitschichten aus dem 16. Jahrhundert und jüngerer Transformationen. Besonders kennzeichnend ist das Umfeld mit ausgedehnten landwirtschaftlichen Flächen, die von einer auf das 16. Jahrhundert zurückgehenden Umfassungsmauer eingegrenzt werden. Das unter Denkmalschutz stehende Kloster ist zu einem Teil zu einer Berufsfachschule umgenutzt und umgebaut, in dem anderen Teil herrscht noch stilles klösterliches Leben mit zwei betagten Nonnen. Die Kirche, die im Inneren 1976 im Zuge einer Purifizierung ihre historistische Ausstattung verloren hat, wird derzeit für Gottesdienste genutzt. Zu dem Komplex gehören weiterhin zwei Geschossgebäude und eine Scheune, gleich an der Kaiser-Max-Straße gelegen.

Karwendelkultur
Im Kloster Thurnfeld
Kim Wildhirt

Universität Innsbruck.
Institut für die Aufarbeitung kirchlicher Geschichte
Nadine Anna Stinauer
Lena Rausch