Entwerfen – Adaptive Reuse Sakralbau – SoSe 2026

LVA SOSE 2026

251.260 8,0 h (10,0 ECTS)

Adaptive Reuse im Sakralbau?

Nachnutzung im Kloster Thurnfeld
Hall in Tirol

Großes Entwerfen – Master

Heike OEVERMANN
Bernd EULER-ROLLE
Anna MÖLK
Jakob LEGENSTEIN

Einführung
Dienstag, 10.03.2026, 09:00 Uhr
Seminarraum 257 

Termine
wöchentlich Dienstag, 09:00–14:00 Uhr
Seminarraum 257

Exkursion – LVA-Nr. 251.261
Erhaltung, Umnutzung, Adaption
Hall, Innsbruck
23.3.-27.3.2026

Anmeldung
Bewerbung via TISS

Inhalt der Lehrveranstaltung
Die Gesellschaft wandelt sich und fest Geglaubtes hat an Sicherheit verloren. Damit fallen mehr und mehr die Bauwerke des Sakralen brach, in denen sich die christliche Weltdeutung baukünstlerisch Ausdruck verschafft hatte. Was aber bleibt, sind reiche architektonische Potenziale sowie sozial aufgeladene historische Orientierungspunkte im Ortsbild, im Stadtbild und in der Kulturlandschaft. Die Frage eines neuen Umgangs mit diesen Baudenkmalen verlangt eine entwerferische Antwort.

Kirchen, Klöster und Pfarrhöfe werden zunehmend Gegenstand von Veränderungs-, Umnutzungs- und sogar Abrissanliegen. Ein Beispiel hierfür ist das Kloster und die Kirche der Heimsuchung auf dem Thurnfeld in Hall in Tirol. Inmitten einer reizvollen topographischen Situation im Inntal und mit einem spektakulären Blick aus dem Kloster auf die Berge der Innsbrucker Nordkette ist das Kloster ein prägendes Element der Kulturlandschaft. Die Rahmenbedingungen sind nicht schlecht, denn die Diözese Innsbruck, Eigentümerin des Klosters seit einigen Jahren, leistet Pionierarbeit in Österreich bei Kirchenumnutzungen und in Fragen von Kunst am Bau und in den Kirchenausstattungen.

Das Salesianerinnenkloster der Heimsuchung wurde als Sommersitz des Augustiner-Chorfrauenordens in der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts erbaut. Eine beeindruckende Kapelle samt Ausstattung ebenso wie Ecktürme und Umfassungsmauer sind aus dieser Erbauungszeit überliefert. 1782 wurde es unter Joseph II, wie so viele Klöster im Habsburgerreich aufgelöst und erlebte vielfache Eigentümerwechsel. 1861 erfolgte ein weitgehender Neubau als Kloster der Salesianerinnen mit Erziehungs-/ Bildungseinrichtung und Höherer Tochter Schule.

Die Architektur von Kirche und Kloster besteht heute überwiegend aus der historistischen Bausubstanz von 1861, einschließlich überlieferter Zeitschichten aus dem 16. Jahrhundert und jüngerer Transformationen. Besonders kennzeichnend ist das Umfeld mit ausgedehnten landwirtschaftlichen Flächen, die von einer auf das 16. Jahrhundert zurückgehenden Umfassungsmauer eingegrenzt werden. Das unter Denkmalschutz stehende Kloster ist zu einem Teil zu einer Berufsfachschule umgenutzt und umgebaut, in dem anderen Teil herrscht noch stilles klösterliches Leben mit zwei betagten Nonnen. Die Kirche, die im Inneren 1976 im Zuge einer Purifizierung ihre historistische Ausstattung verloren hat, wird derzeit für Gottesdienste genutzt. Zu dem Komplex gehören weiterhin zwei Geschossgebäude und eine Scheune, gleich an der Kaiser-Max-Straße gelegen.

Wir werden uns mit der Architektur und Nutzungsgeschichte des Klosters auseinandersetzen sowie ein fundiertes Verständnis der topografisch-räumlichen Gegebenheiten im Umfeld und in der Stadt Hall in Tirol entwickeln. Dadurch werden wir den Handlungsraum für unsere Entwurfsaufgabe kennenlernen, der in Hall durch einen außergewöhnlich gut erhaltenen und intensiv genutzten historischen Stadtkern gekennzeichnet ist. Hall zählt zu den Pionieren der Altstadterhaltung in Österreich und hat hierzu eine Reihe von best-practice Beispielen aufzuweisen. Im Rahmen der Ortserkundung (LVA Exkursion) werden wir einzelne Beispiele von gelungenen Instandsetzungen und neuen architektonischen Interventionen aufsuchen. Wir werden die Rolle von Spezialarchitekturen wie Kirchen und Klöstern im Stadtgefüge kennenlernen und überlegen, in welcher Weise ihre architektonischen Konzepte, die für gemeinschaftliche Nutzungen ausgelegt waren, unter neuen Vorzeichen weitergeschrieben werden können. Denkmalgerechte Erhaltung, Umnutzung und Transformation sollen zur Bewahrung, Stärkung und Weiterentwicklung der materiellen und immateriellen Denkmalwerte am Objekt führen und ihnen eine Zukunft geben.

Methoden
Erfassung, Bewertung und Entwurf werden in wöchentlichen Teilschritten angeleitet, die aufeinander aufbauen und sich gegenseitig befruchten. Dabei werden unterschiedliche kunsthistorische, denkmalpflegerische und entwerferische Methoden herangezogen und die Maßstäbe vom Städtebau bis zum Detail bearbeitet. Es ist grundsätzlich eine Partnerarbeit in 2er-Gruppen angedacht.
Wir kooperieren mit der Diözese Innsbruck und dem Bundesdenkmalamt, Landeskonservatorat für Tirol.

Weitere Informationen
Es besteht eine grundsätzliche Teilnahmepflicht für die gesamte Dauer der Lehrveranstaltung. Die erste Sitzung muss besucht werden, oder sich schriftlich mit Begründung abgemeldet werden, um an der weiteren Lehrveranstaltung teilnehmen zu können.
Die Teilnahme an der begleitenden Exkursion ist verpflichtend.

In einer verpflichtenden Exkursion vom 23.03. bis 27.03.2025 in Hall und Innsbruck werden Fragen der der Erhaltung, Umnutzung und Adaption an städtebaulichen und architektonischen Referenzobjekten besichtigt, erfasst und diskutiert. Ein Workshop in Hall dient als Kickoff und Impuls für die Erfassungs-, Bewertungs- und Entwurfsaufgabe.

Exkursion
Die Lehrveranstaltung ist gekoppelt an die (Exkursion: Erhaltung, Umnutzung, Adaption, LVA-Nr. 251.261)

Die An- und Abreise ist von den Studierenden jeweils selbst zu organisieren und zu begleichen. Die Übernachtungen in Hall sind organisiert. Es wird ein Exkursionsbeitrag i. H. v. ca. 300€ pro Studierenden anfällig.

Sprache
Deutsch

TISS