Alessandro Rintallo

Alessandro Rintallo 2024

Supervision: Univ.Prof.in Dipl.-Ing.in Dr.-Ing.in habil. Heike Oevermann, M.A.

Charlottenburger Mischung –

Werte und bauliche Qualitäten städtischer Heterogenität erfassen, erhalten und entwickeln

Der Berliner Ortsteil Charlottenburg ist in weiten Teilen durch eine Blockrandstruktur geprägt. Innerhalb dieser städtebaulichen Figur begegnen sich unterschiedliche bauliche Formen und historische Schichten: Ackerbürgerhäuser des frühen 18. Jahrhunderts stehen neben gründerzeitlichen Wohn- und Geschäftshäusern, die wiederum an Nachkriegsbauten, Gebäude des späten 20. Jahrhunderts oder verbliebene Baulücken angrenzen. In den vergangenen Jahren wurden jedoch vornehmlich Nachkriegsbauten abgerissen und durch Neubauten ersetzt, deren städtebauliche Setzung und architektonische Gestaltung sich überwiegend an der Gründerzeitbebauung orientieren.

Diese Entwicklung wird von einer zunehmenden Homogenisierung von Stadtbild und Stadtraum begleitet. Zeugnisse der vielschichtigen Stadtgeschichte gehen verloren; zugleich werden die Veränderungen auch auf der Grundrissebene sichtbar, etwa durch den Ersatz kompakter und funktional organisierter Wohnungen.

Die Dissertation versteht diese Abriss- und Neubautätigkeiten nicht als isolierte Einzelereignisse, sondern als Ausdruck eines umfassenden Transformationsprozesses. Untersucht wird, welche Denkmalwerte und baulichen Qualitäten in den Wohn- und Geschäftsstraßen zwischen Kurfürstendamm, Kantstraße und Bismarckstraße dabei verloren zu gehen drohen. Im Mittelpunkt der Arbeit steht die städtische Heterogenität, verstanden als räumliches Verhältnis verschiedener Zeitschichten sowie als Voraussetzung vielfältiger Aneignungs-, Wahrnehmungs- und Interaktionsmöglichkeiten. Die städtische Heterogenität Charlottenburgs wird stadtbaugeschichtlich aufgearbeitet und sowohl architektonisch als auch stadtmorphologisch in Text und Zeichnung analysiert.

Darüber hinaus werden bestehende Schutz- und Erhaltungsinstrumente hinsichtlich ihrer Wirksamkeit untersucht und durch ein eigenes Bewertungsmodell ergänzt, das die Wechselwirkungen zwischen baulichen Qualitäten und Denkmalwerten explizit berücksichtigt. Auf dieser Grundlage werden Strategien zur Sicherung und Weiterentwicklung städtischer Heterogenität entwickelt sowie Handlungsempfehlungen für Denkmalpflege und Stadtplanung formuliert.