Luise Retzlaff und Daniel Kompp

Luise Retzlaff und Daniel Kompp

ZWISCHEN LITURGIE UND LEBENSRAUM –
SEELSORGEZENTRUM STEYR-ENNSLEITE IM WANDEL

1_Luise Retzlaff
Erfassung eines baukulturellen Erbes

2_Daniel Kompp
Entwerferische Visionen für die Zukunft  

Themendiplom Erhalten & Fortschreiben. Umgang mit Systembauten  der 1960er Jahre. 
Betreuung: Birgit KNAUER, Lorenzo DE CHIFFRE

Das Seelsorgezentrum in Steyr-Ennsleite gilt als Ikone der österreichischen Sakralarchitektur der 1960er und 1970er Jahre. Das 2019 unter Denkmalschutz gestellte Gebäudeensemble wurde von Johann Georg Gsteu in Zusammenarbeit mit der „arbeitsgruppe 4“ in zwei Bauetappen geplant. Der erste Bauabschnitt wurde im Oktober 1961 fertiggestellt, während das eigentliche Kirchengebäude neun Jahre später eingeweiht wurde.

Der gesellschaftliche Stellenwert der Kirche hat sich im Laufe der Jahrzehnte grundlegend gewandelt, wodurch die Sakralarchitektur zunehmend vor neue Herausforderungen gestellt wird. Insbesondere der Umgang mit bestehenden Kirchenbauten sowie die Entwicklung zeitgemäßer Umnutzungsstrategien gewinnen an Bedeutung. Dabei stellt sich die Frage, wie bauliche Identität, denkmalpflegerische Anforderungen und liturgische Bedeutung in Einklang gebracht werden können. Die schrumpfende Zahl an Mitgliedern der Glaubensgemeinde auf der Ennsleite sowie der damit einhergehende Leerstand innerhalb des Gebäudeensembles machen eine Auseinandersetzung mit dem Bestand und seinen Transformationspotenzialen erforderlich. Die interdisziplinäre Arbeit widmet sich der Erfassung, Analyse und Bewertung des baukulturellen Erbes. Neben der historischen Einordnung und der architektonischen Analyse umfasst die Untersuchung die Erstellung eines Raumbuches sowie einer Schadenskartierung. Darauf aufbauend wird ein denkmalpflegerisches Konzept entwickelt, das als Grundlage für den weiteren Entwurfsprozess dient. Ergänzend werden zentrale Herausforderungen und Problemstellungen bei der Umnutzung von Sakralbauten aufgezeigt und mit Beispielen belegt.

Resultierend aus der umfassenden städtebaulichen Analyse und Bewertung des Bestands werden drei Entwürfe mit Transformationsszenarien für das Seelsorgezentrum entwickelt. Diese dienen als Forschungs- und Abwägungsinstrumente zur Erarbeitung eines finalen Umnutzungskonzeptes. Ziel ist es, einen neuen „Lebensraum“ für die Ennsleite zu schaffen. Die Synthese ausgewählter Qualitäten der drei Szenarien bildet schließlich die Grundlage für die bestmögliche Umnutzungsstrategie unter Berücksichtigung denkmalpflegerischer, architektonischer und sozialer Aspekte.