Lisa Franke

Lisa Franke 2022

DAS PROVISORIUM. Eine denkmalpflegerische Auseinandersetzung am Beispiel der Demontablen Kirche 2 von Ottokar Uhl

Die vorliegende Arbeit behandelt das nachkriegszeitliche Kirchengebäude in der
Kundratstraße 5 im 10. Wiener Gemeindebezirk und setzt sich aufgrund seiner Errichtungsbestimmung als Provisorium mit der bislang fehlenden wissenschaftlichen Aufarbeitung seiner Baugeschichte in Kohärenz mit seiner Baugattung auseinander. Das Ziel der Arbeit ist es, am Beispiel des von Ottokar Uhl entwickelten erweiterbaren Kirchenbaus in Wien Favoriten, das Provisorium als ideengeschichtliches Konzept der Nachkriegsarchitektur herauszustellen und damit Voraussetzungen für den Erhalt des Gebäudes mit Seltenheitswert zu schaffen. Auf der Grundlage einer fachübergreifenden Literaturanalyse zum Thema des Provisoriums wird dieses in den Kontext des Kirchenbaus und der Nachkriegsarchitektur gesetzt. Die Beschäftigung mit der historischen Entwicklung des Architekturverständnisses im 20. Jahrhundert weist den Architekten Ottokar Uhl als Vorreiter einer Auffassung des Bauens aus, welche in ihrer Prozesshaftigkeit und einem ausgeprägten Partizipationsgedanken dem Zyklischen-Bauen und der Architektursoziologie zugeordnet werden. Eine methodische Quellenauswertung sowie Plananalysen des Kirchenbaus und seines Vorgängerbaus bilden die Grundlage für die baugeschichtliche Auseinandersetzung und die Sensibilität für das komplexe Architekturverständnis des Architekten, welches im Fallbeispiel des temporär geplanten Gebäudes baulich lesbar wurde. Die Auswertung der vorhandenen Primär- und Sekundärquellen, Begehungen vor Ort und einer damit einhergehenden Bestandsaufnahme führen zu einer Dokumentation des Kleinkirchenbaus, aus der auch seine baulichen Veränderungen hervorgehen. Perspektiven aus der Denkmalpflege zum Umgang und der Bewertung von provisorischen, respektive temporären und beweglichen Bauten geben Erkenntnisse für das abschließende Fazit, welches sich in einem Ausblick mit möglichen Maßnahmen zum denkmalpflegerischen Umgang mit dem Provisorium in der Kundratstraße beschäftigt.