Alexandra Lea Zöldhegyi
VON ALTAR ZUM ALLTAG – UMGANG MIT DEM NACHKRIEGSSYSTEMBAU SEELSORGEZENTRUM ST. FRANZISKUS
Themendiplom Erhalten & Fortschreiben. Umgang mit Systembauten der 1960er Jahre.
Betreuung: Birgit KNAUER, Lorenzo DE CHIFFRE
Die Nachkriegszeit war geprägt von tiefgreifenden gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und räumlichen Veränderungen. Sie ging mit einem Wachstum einher, das neue bauliche Lösungen mit sich brachte. In diesem Kontext entstanden zahlreiche Systembauten, die durch standardisierte Bauweisen, serielle Elemente und den Einsatz neuer Konstruktionsmethoden und Materialien gekennzeichnet sind. Diese Bauweise ist besonders relevant, da sie das sozial- und wirtschaftsgeschichtliche Wachstum und die Transformation der Boomjahre exemplarisch darstellt.
Diese Faktoren hatten auch einen maßgeblichen Einfluss auf die Typologie des Kirchenbaus. Das zweite Vatikanische Konzil (1962-1965) und die nachfolgende liturgische Bewegung führten in der römisch-katholischen Kirche zu einem veränderten sakralen Verständnis, das neue Anforderungen an die religiöse Architektur und Kunst stellte. Die Kirchenarchitektur versuchte, auf die vielseitigen Bedürfnisse der Nachkriegszeit zu reagieren, und spiegelte dabei gleichzeitig den tiefgreifenden Wertewandel der Gesellschaft wider.
Heute stehen viele Kirchenbauten vor erheblichen Herausforderungen. Demografischer Wandel, veränderte gesellschaftliche Bedürfnisse, der Rückgang aktiver Pfarrgemeinden sowie Priestermangel führen zunehmend dazu, dass Gebäude ungenutzt bleiben und es somit letztendlich zu Leerständen und sogar zu Abrissen kommt. Wenn es um die Priorisierung bezüglich Erhaltung geht, haben Nachkriegskirchen aufgrund ihrer oft wenig akzeptierten Ästhetik geringere Chancen.
Die Diplomarbeit befasst sich mit dem Gebäudekomplex des Seelsorgezentrums St. Franziskus in Braunau am Inn der in diese Kategorie fällt und mit diesen Problemen zu kämpfen hat. Das als Systembau konzipierte Gebäude wurde 1976 nach Plänen von Eberhard Jodlbauer, Franco Fonatti und Wolfdietrich Ziesel fertiggestellt. Aufgrund eines angekündigten Managementplans zur städtebaulichen Aufwertung des Umfeldes sowie des sanierungs- und transformationsbedürftigen Zustands des Gebäudes gewinnt der Fall besondere Aktualität. Ziel ist es, auf Grundlage einer denkmalpflegerischen Analyse und unter Respektierung des bauzeitlichen Bestands, der angewandten Planungsprinzipien und der vorhandenen Bauaufgabe nachhaltige und zukunftsfähige Perspektiven für ein behutsames Weiterentwicklungskonzept zu erarbeiten.